Kontakte schaden nur dem, der keine hat

Networking klingt nach Sektgläsern und Anzügen. Dabei findet es im Hörsaal, in der Mensa und auf dem Sportplatz statt.

"Kontakte schaden nur dem, der keine hat." Dieser alte Spruch hat im Studium eine ganz neue Relevanz. Viele Studierende glauben, Networking sei etwas für Business-Profis im Anzug, die auf teuren Sektempfängen Visitenkarten tauschen. Die Realität ist: Networking findet jeden Tag statt

Networking ist kein "sich einschleimen", sondern der Aufbau von echten, wechselseitigen Beziehungen. Es ist das Investieren in Sozialkapital, das dir Jahre später Türen öffnen wird, von denen du heute noch nicht einmal weißt, dass sie existieren. In diesem Guide zeigen wir dir, wie du strategisch und authentisch ein Netzwerk aufbaust, das dein gesamtes Berufsleben tragen wird.

Studierende vernetzen sich auf einer Veranstaltung an der Universität

1. Das Give-and-Take-Prinzip: Networking ist keine Einbahnstraße

Der größte Fehler beim Networking ist der Fokus auf den eigenen Vorteil. Wer nur Leute anspricht, wenn er Hilfe braucht, wird schnell als "Leecher" (jemand, der nur nimmt) abgestempelt. Erfolgreiches Networking basiert auf Reziprozität.

Frage dich immer: Wie kann ich der anderen Person helfen? Vielleicht hast du eine interessante Quelle für die Hausarbeit eines Kommilitonen, kennst einen guten Tutor oder kannst jemanden in ein Projekt einführen. Kleine Gefallen, die dich nur 5 Minuten kosten, sind der beste Zement für eine stabile berufliche Beziehung. Wer zuerst gibt, wird später fast automatisch empfangen.

2. Deine Kommilitonen: Das Netzwerk deines Lebens

Unterschätze niemals die Leute, die heute neben dir im Seminar sitzen. In zehn bis fünfzehn Jahren werden genau diese Menschen die Entscheiderpositionen in der Industrie, Forschung und Politik besetzen. Deine Studienfreunde sind dein primäres Netzwerk.

  • Lerngruppen: Sie sind die Urzelle des professionellen Netzwerks. Hier zeigt sich, wer verlässlich ist, wer komplexe Sachverhalte erklären kann und wer unter Stress ruhig bleibt.
  • Fachschaft & studentische Gremien: Hier lernst du nicht nur Leute aus höheren Semestern kennen, sondern auch, wie Organisationen funktionieren. Das ist Networking "on steroids".
  • Alumni-Vereine: Viele Unis bieten Plattformen an, auf denen Ehemalige mit Studierenden in Kontakt treten. Diese Menschen waren mal in deiner Situation und helfen oft gerne mit Tipps für den Berufseinstieg.
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3. Bonding mit Professoren: Mut wird belohnt

Die meisten Studierenden betrachten Professoren als unerreichbare Halbgötter, die in Elfenbeintürmen leben. Das ist ein Fehler. Professoren sind oft Forscher mit einer gewaltigen Leidenschaft für ihr Thema und ausgezeichneten Kontakten in die Wirtschaft.

Trau dich: Geh in die Sprechstunde, wenn dich ein wissenschaftlicher Punkt wirklich fasziniert. Stell kluge Fragen in der Vorlesung. Professoren merken sich engagierte Studierende. Wenn es später um Stipendien-Gutachten, SHK-Stellen oder Kontakte für die Bachelorarbeit geht, ist dieser kurze Draht Gold wert.

4. Networking für Introvertierte: Qualität schlägt Quantität

Networking ist nicht nur etwas für extrovertierte Party-Löwen. Oft sind es die leisen Gespräche am Rande eines Events, die am längsten nachhallen.

  • Vorbereitung: Wenn du auf eine Karrieremesse gehst, schau dir vorher die Ausstellerliste an. Überleg dir zwei spezifische Fragen an die Firmen. Das nimmt die Nervosität beim ersten Satz.
  • Zuhören ist ein Skill: Viele Leute reden gerne über sich selbst. Sei ein guter Zuhörer. Wer aufmerksam zuhört und die richtigen Fragen stellt ("Wie hat sich Ihr Alltag durch KI verändert?"), wird oft als kompetenter wahrgenommen als jemand, der sich nur selbst feiert.
  • Eins-zu-Eins statt Masse: Ein tiefes Gespräch mit einer interessanten Person ist wertvoller als zehn Visitenkarten von Leuten, deren Gesicht du schon am nächsten Tag vergessen hast.

5. Digitales Networking: Dein 24/7-Botschafter

LinkedIn ist dein digitales Schaufenster. Aber Networking endet nicht mit dem Klick auf "Vernetzen".

Wenn du jemanden online ansprichst, schicke *immer* eine personalisierte Nachricht mit. Erwähne, woher du die Person kennst oder warum dich ihr Profil interessiert ("Ich habe Ihren Artikel über X gelesen und fand besonders den Aspekt Y spannend..."). Das hebt dich von 99% der Standard-Anfragen ab.

6. Der "Elevator Pitch": Sei bereit, wenn die Chance kommt

Networking passiert oft zufällig. Stell dir vor, du triffst einen potenziellen Mentor im Aufzug oder beim Kaffee auf einer Konferenz. Du hast 30 bis 60 Sekunden Zeit, einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen.

Statt zu stammeln "Ich studiere so BWL im 4. Semester", sag lieber: "Ich studiere BWL mit Schwerpunkt Data Analytics und beschäftige mich aktuell viel mit der Automatisierung von Lieferketten. Ich finde Ihren Ansatz bei Firma X sehr spannend, besonders wie Sie..." Das zeigt Fokus, Fachwissen und echtes Interesse am Gegenüber.

7. Networking-Event-Etikette: Die No-Gos

Networking ist auch ein Spiel mit sozialen Regeln.
- Kein Hard-Selling: Frag nicht im ersten Satz nach einem Job. Bau erst Vertrauen auf. - Den Kreis nicht blockieren: Wenn du merkst, dass das Gespräch zu Ende ist, bedanke dich und ziehe weiter, damit auch andere die Chance haben, zu sprechen. - Follow-up: Ein Netzwerk ist wie eine Pflanze. Wenn du sie nicht gießt, stirbt sie. Schreib nach einem interessanten Event eine kurze Nachricht ("War toll, Sie gestern kennenzulernen. Der Tipp mit Buch XY war super!").

Fazit: Fang klein an

Niemand erwartet, dass du morgen ein Netzwerk wie ein Top-Manager hast. Fang klein an. Sprich heute eine neue Person in deiner Vorlesung an. Vernetze dich mit einem Tutor auf LinkedIn. Networking ist ein Muskel, der trainiert werden will. Je früher du anfängst, desto leichter wird es dir fallen, wenn es später "ernst" wird. Dein zukünftiges Ich wird es dir danken!