"Am Ende des Geldes ist noch so viel Monat übrig." Dieser Satz ist für viele Studierende mehr als nur ein schaler Witz – er ist der monatliche Stresspegel kurz vor dem Ersten. Das Studium ist für die meisten die finanziell prekärste Zeit ihres Lebens. Doch genau hier werden die Weichen gestellt: Wer jetzt lernt, seine Finanzen zu verstehen, profitiert ein Leben lang vom
In diesem Guide zeigen wir dir, wie du nicht nur überlebst, sondern finanziell wächst. Wir sprechen über BAföG-Tricks, die Macht des Verlustvortrags bei der Steuer und warum du auch mit 25 Euro im Monat anfangen solltest, zu investieren. Finanzbildung ist kein trockenes Schulfach – es ist deine Eintrittskarte in ein sorgenfreies Leben.
1. BAföG: Mehr als nur ein Kredit
Das Bundesausbildungsförderungsgesetz (BAföG) ist das mächtigste Sozialinstrument für Studierende in Deutschland. Das Beste daran: Die Hälfte ist ein geschenkter Zuschuss, die andere Hälfte ein zinsloses Darlehen, das zudem bei maximal 10.010 Euro gedeckelt ist.
Der Profi-Tipp: Viele Studierende stellen gar keinen Antrag, weil sie glauben, ihre Eltern würden zu viel verdienen. Doch die Freibeträge wurden in den letzten Jahren massiv erhöht. Ein Antrag lohnt sich fast immer. Und: Wenn sich das Einkommen deiner Eltern aktuell verschlechtert hat (z.B. durch Kurzarbeit oder Rente), kannst du einen Aktualisierungsantrag stellen, um sofort mehr Geld zu bekommen.
2. Der steuerliche Goldesel: Der Verlustvortrag
Das ist der wichtigste Finanz-Hack, den 80% der Studierenden ignorieren. Im Studium hast du Ausgaben (Semesterbeiträge, Fachbücher, Laptop, Miete am Studienort), aber oft kaum steuerpflichtige Einnahmen. Du machst also rein steuerlich einen "Verlust".
Mit einer Steuererklärung (Feststellung des verbleibenden Verlustvortrags) "speichert" das Finanzamt diesen Verlust für dich. Sobald du nach dem Studium deinen ersten Job antrittst und echtes Gehalt beziehst, werden diese alten Verluste mit deinem Einkommen verrechnet. Resultat: Du zahlst im ersten Berufsjahr oft keine oder kaum Steuern und bekommst mehrere tausend Euro zurückerstattet. Das gilt insbesondere für Master-Studierende oder nach einer Erstausbildung.
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3. Vermögensaufbau ab 25 Euro: ETFs im Studium
Viele warten mit dem Investieren, bis sie "richtig viel Geld" verdienen. Das ist ein mathematischer Fehler. Der größte Faktor beim Vermögensaufbau ist nicht die Sparrate, sondern die Zeit.
Ein Student, der mit 20 Jahren anfängt, 50 Euro im Monat in einen breit gestreuten Welt-ETF (z.B. MSCI World) zu stecken, hat am Ende oft mehr Geld als jemand, der mit 40 anfängt, 500 Euro zu sparen. Warum? Zinseszins. Nutze Neobroker wie Trade Republic oder Scalable Capital, die Sparpläne oft kostenlos anbieten. Investieren ist heute kein Privileg der Reichen mehr, sondern ein Werkzeug für jeden.
4. Studentenjobs: Strategisch statt nur für Geld
Kellnern bringt schnelles Geld, aber keinen Mehrwert für deinen Lebenslauf. Wenn du die Wahl hast, entscheide dich für eine Werkstudententätigkeit in deiner Branche.
- Minijob (bis 538€): Du zahlst keine Sozialabgaben und keine Steuern. Perfekt für das erste Semester.
- Werkstudent: Du darfst bis zu 20 Stunden pro Woche arbeiten. Du sammelst echte Berufserfahrung und bist oft schon im Rentensystem drin.
- Achtung beim BAföG: Es gibt Verdienstgrenzen. Wenn du zu viel verdienst, wird dein BAföG gekürzt. Informiere dich vorab genau über die aktuellen Sätze.
5. Versicherungen: Was du wirklich brauchst
Sobald du 25 wirst oder dein Studium beendest, ändert sich dein Versicherungsstatus.
- Privathaftpflicht: Absolutes Muss. Wenn du den Laptop deines Profs
runterschmeißt oder einen Unfall verursachst, schützt sie dich vor lebenslanger Verschuldung.
- Krankenversicherung: Nutze den günstigen Studententarif, solange es geht
(meist bis zum 30. Lebensjahr oder dem 14. Fachsemester).
- Berufsunfähigkeit: Überlege dir, eine BU-Versicherung schon im Studium
abzuschließen. Je jünger und gesünder du bist, desto niedriger sind die Beiträge für immer.
6. Die 50-30-20-Budgetregel
Um den Überblick zu behalten, hilft eine einfache Daumenregel: - 50% deiner Einnahmen für Fixkosten (Miete, Essen, Internet). - 30% für Spaß und Lifestyle (Party, Netflix, Kleidung). - 20% für Zukunft und Notfall (Notgroschen auf dem Tagesgeldkonto, ETF-Sparplan). Kommst du mit 50% für die Fixkosten nicht hin? Dann ist entweder deine Miete zu hoch oder du musst deine Ausgaben bei den 30% radikal kürzen.
7. Stipendium vs. Job: Die kluge Kombination
Viele Studierende glauben, sie müssten sich zwischen einem Stipendium und einem Job entscheiden. Fakt ist: Ein Stipendium ist die rentabelste Form der Finanzierung, da es "steuerfrei" und "rückzahlungsfrei" ist. Der Stundenlohn eines Stipendiums (wenn man die Bewerbungszeit einrechnet) liegt oft bei über 100 Euro.
Dennoch kann ein kleiner Job nebenher sinnvoll sein – nicht wegen des Geldes, sondern wegen der sozialen Kontakte und der Abwechslung zum Uni-Alltag. Achte nur darauf, dass die Summe deiner Einnahmen die Freibeträge für BAföG und Krankenkasse nicht übersteigt. Ein strategischer Mix aus BAföG-Zuschuss, einem kleinen Stipendium und 5-8 Stunden Arbeit pro Woche im eigenen Fachbereich ist für die meisten das ideale Modell für finanzielle Stabilität und akademischen Erfolg.
Fazit: Finanzen sind Freiheit
Geld ist kein Selbstzweck, sondern ein Mittel zur Freiheit. Wer seine Finanzen im Griff hat, kann später Nein zu toxischen Jobs sagen oder sich eine Auszeit für Reisen leisten. Fang heute an – und sei es nur mit der ersten Steuer-App oder dem ersten 10-Euro-Sparplan. Dein zukünftiges Ich wird es dir danken!