Geld allein macht nicht glücklich, aber kein Geld im Studium macht extrem unglücklich, unfrei und stressig. Die gute Nachricht: In Deutschland muss theoretisch niemand aus rein finanziellen Gründen auf ein Erststudium verzichten. Das System ist zwar bürokratisch und oft zäh, aber es ist fair – vorausgesetzt, man kennt die richtigen Hebel und fängt rechtzeitig an, sie zu bedienen. Überlass dein Budget nicht dem Zufall, sondern werde zum Manager deiner eigenen Finanzen.
Was viele unterschätzen: Studienfinanzierung ist kein Sprint, sondern ein Marathon. Ein Mix aus verschiedenen Quellen ist oft stabiler als die Abhängigkeit von nur einem Geldgeber. In diesem Guide lichten wir den Dschungel der Möglichkeiten und geben dir konkrete Werkzeuge an die Hand.
1. BAföG: Das Fundament (Geschenktes Geld)
Das Bundesausbildungsförderungsgesetz (BAföG) ist und bleibt die wichtigste Säule. Der unschlagbare Vorteil: Du bekommst monatlich einen Betrag (Höchstsatz aktuell über 900 €), wovon du nach dem Studium nur exakt die Hälfte zurückzahlen musst. Und selbst dieser Anteil ist gedeckelt: Mehr als 10.010 € Schulden kannst du beim Staat durch BAföG nicht anhäufen – egal, wie viel du bekommen hast. Es ist effektiv ein zinsloses Darlehen mit 50 % Rabatt.
Der größte Fehler: "Meine Eltern verdienen bestimmt zu viel, den Antrag kann ich mir sparen." – Das ist oft ein Trugschluss. Die Freibeträge steigen regelmäßig, und Faktoren wie Geschwister in der Ausbildung oder die Rentenbeiträge der Eltern mindern das anrechenbare Einkommen. Wichtig: Selbst ein Ablehnungsbescheid ist wertvoll! Er ist oft die Voraussetzung für Wohngeld oder Befreiungen von der GEZ-Gebühr.
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2. Kindergeld: Dein Recht bis 25
Solange du in deiner Erstausbildung (Bachelor oder Master) bist und unter 25 Jahre alt, haben deine Eltern Anspruch auf Kindergeld (aktuell 250 € pro Monat). Viele Eltern leiten dieses Geld direkt an ihre Kinder weiter. Wenn deine Eltern sich weigern, dir den Unterhalt zu zahlen, obwohl sie dazu verpflichtet sind, kannst du einen "Abzweigungsantrag" bei der Familienkasse stellen. Dann fließt das Geld direkt auf dein Konto.
3. Stipendien: Die unterschätzte Chance
"Ich bin kein Genie, ich brauche mich gar nicht erst bewerben." – Mit dieser Einstellung verschenken Studierende jedes Jahr Millionen. In Deutschland gibt es hunderte Stiftungen. - Die 13 Begabtenförderungswerke: Diese sind oft politisch, religiös oder gewerkschaftlich orientiert. Sie suchen Menschen, die "brennen" und sich engagieren. Eine 2,5 im Schnitt ist oft völlig okay, wenn du dafür im Sportverein aktiv bist oder dich sozial engagierst. - Deutschlandstipendium: 300 € pro Monat, zur Hälfte vom Bund und zur Hälfte von privaten Spendern. Bewerbung läuft meist direkt über deine Uni. - Sozial-Stipendien: Es gibt Förderungen speziell für Erstakademiker (Arbeiterkind.de) oder für Studierende mit Beeinträchtigungen.
4. Jobben: Minijob oder Werkstudent?
Wer arbeitet, hat weniger Zeit zu studieren – aber oft ein besseres Netzwerk. - Der Minijob (bis 538 €): Ideal, wenn du nur am Wochenende oder in Blockphasen arbeiten willst. Keine Abzüge, brutto gleich netto. - Das Werkstudenten-Privileg: Wenn du bis zu 20 Stunden pro Woche arbeitest, zahlst du nur Beiträge zur Rentenversicherung, aber keine Kranken- oder Pflegeversicherung über den Arbeitgeber (das machst du selbst günstig als Student). Fachnahe Jobs sind Gold wert für den späteren Berufseinstieg.
5. Die "Kosten-Keule": Krankenversicherung & mehr
Bis 25 bist du meist kostenlos über die Eltern familienversichert. Danach wird es teuer: Die studentische Krankenversicherung kostet aktuell ca. 120-130 € im Monat. Ab dem 30. Geburtstag (oder dem 14. Fachsemester) springt der Beitrag auf den regulären Satz für Freiwillig Versicherte (oft über 200 €). Plane dieses Alter gezielt in dein Studium ein!
6. Der Notnagel: Studienkredite
Wenn gar nichts mehr geht: Der KfW-Studienkredit. Er ist unabhängig vom Einkommen der Eltern. Aber Vorsicht: Die Zinsen sind variabel! Was als kleiner Kredit beginnt, kann durch Zinseszinsen nach dem Studium zu einem gewaltigen Schuldenberg anwachsen. Nutze Kredite nur für die Abschlussphase oder wenn alle anderen Quellen versiegen.
Geheimtipp: Wohngeld
Du bekommst kein BAföG, weil du die Regelstudienzeit überschritten hast oder im Zweitstudium bist? Dann hast du eventuell Anspruch auf Wohngeld! Viele Studierende wissen das nicht und lassen monatlich 100-300 € Zuschuss zur Miete liegen. Lass dich beim örtlichen Wohngeldamt beraten.