Die Frage "Was kostet ein Fernstudium?" ist oft die erste, die angehende Fernstudierende stellen – und die Antwort fällt überraschend unterschiedlich aus. Während du an der staatlichen FernUni Hagen einen kompletten Bachelor für unter 2.000 € absolvieren kannst, verlangen private Fernhochschulen schnell das Zehnfache. Dazu kommen versteckte Kosten, die viele unterschätzen.
Dieser Guide gibt dir einen ehrlichen Überblick über alle Kosten, vergleicht die Preise der größten Anbieter und zeigt dir, wie du dein Fernstudium clever finanzieren kannst – von BAföG über Stipendien bis hin zu Steuervorteilen, die dir mehrere Tausend Euro sparen können.
1. Studiengebühren: Staatlich vs. Privat
Der größte Kostenfaktor im Fernstudium sind die Studiengebühren. Dabei gibt es einen massiven Unterschied zwischen staatlichen und privaten Anbietern:
Staatliche Fernhochschulen
Die FernUni Hagen ist die einzige staatliche Fernuniversität in Deutschland und mit Abstand die günstigste Option:
- Bachelor: Ca. 1.500–2.500 € Gesamtkosten (6 Semester)
- Master: Ca. 1.000–1.500 € Gesamtkosten (4 Semester)
- Zusammensetzung: Grundgebühr pro Semester (~50 €) + Kursgebühren pro belegtem Modul (~20 € pro SWS)
- Keine Studiengebühren im eigentlichen Sinne – nur Materialbezugsgebühren
Private Fernhochschulen
Private Anbieter bieten oft mehr Betreuung, modernere Plattformen und flexiblere Prüfungsformate – verlangen dafür aber deutlich höhere Gebühren:
- Bachelor (36 Monate): 10.000–15.000 € (monatliche Raten von 200–400 €)
- Master (24 Monate): 8.000–14.000 € (monatliche Raten von 300–600 €)
- MBA: 10.000–20.000 €
Wichtig: Die Monatsrate hängt vom gewählten Zeitmodell ab. Wer die Regelstudienzeit wählt, zahlt pro Monat mehr, insgesamt aber weniger. Wer auf 48 oder 72 Monate streckt, hat niedrigere Raten, zahlt aber insgesamt mehr.
2. Preisvergleich: Die großen Anbieter 2026
| Anbieter | Bachelor (gesamt) | Master (gesamt) | Monatsrate ab |
|---|---|---|---|
| FernUni Hagen | ~1.500–2.500 € | ~1.000–1.500 € | ~40 €/Monat |
| IU Internationale Hochschule | ~12.000–15.000 € | ~10.000–14.000 € | ~209 €/Monat |
| EHiP | ~12.000–14.000 € | ~9.000–12.000 € | ~209 €/Monat |
| Wilhelm Büchner | ~13.000–16.000 € | ~10.000–13.000 € | ~249 €/Monat |
| Euro-FH | ~12.000–14.500 € | ~9.500–12.000 € | ~229 €/Monat |
| SRH Fernhochschule | ~13.000–15.000 € | ~10.000–13.500 € | ~269 €/Monat |
Tipp: Fast alle privaten Fernhochschulen bieten regelmäßig Rabattaktionen an – oft 10–20% auf die Studiengebühren. Frag vor der Einschreibung nach aktuellen Angeboten oder warte auf Aktionszeiträume (oft zum Semesterstart).
3. Versteckte Kosten: Damit musst du rechnen
Die Studiengebühren sind nur ein Teil der Gleichung. Diese Zusatzkosten werden häufig vergessen:
Fachliteratur
200–500 € für Fachbücher, die nicht in den Studienbriefen enthalten sind. Tipp: Uni-Bibliotheken bieten oft digitalen Fernzugriff.
Technik & Software
Laptop (500–1.000 €), ggf. spezielle Software. Viele Hochschulen bieten kostenlose Microsoft/Adobe-Lizenzen für Studierende.
Reisekosten
Für Präsenzprüfungen: 50–200 € pro Prüfung (Anfahrt + ggf. Hotel). Bei 100% Online-Klausuren entfällt das komplett.
Prüfungsgebühren
Manche Anbieter berechnen 50–150 € extra pro Prüfung. Bei der IU und vielen anderen sind Prüfungen inklusive.
Gesamtrechnung: Rechne zu den reinen Studiengebühren noch ca. 500–1.500 € für Nebenkosten hinzu. Bei einem privaten Bachelor-Fernstudium kommst du so auf realistische Gesamtkosten von 11.000–16.500 €.
4. Finanzierungsmöglichkeiten im Überblick
Ein Fernstudium muss dich nicht finanziell überfordern. Diese Finanzierungswege stehen dir offen:
BAföG
Auch für ein Fernstudium kannst du BAföG beantragen – allerdings nur, wenn du in Vollzeit studierst und unter 45 Jahre alt bist. Der Höchstsatz liegt 2026 bei 992 € monatlich. Prüfe deinen Anspruch mit unserem BAföG-Rechner.
Stipendien
Viele wissen es nicht: Auch Fernstudierende können sich für Stipendien bewerben. Optionen:
- Deutschlandstipendium: 300 €/Monat, einkommensunabhängig
- Hochschul-eigene Stipendien: Die IU bietet z.B. bis zu 75% Studiengebühren-Erlass
- Begabtenförderungswerke: Studienstiftung, Friedrich-Ebert-Stiftung u.a.
- Branchenstipendien: MINT-Förderung, Frauen in Tech, etc.
Arbeitgeber-Förderung
Über 60% der Fernstudiengänge sind berufsbegleitend. Viele Arbeitgeber übernehmen einen Teil der Kosten, wenn das Studium fachlich relevant ist. Übliche Modelle:
- Vollständige Kostenübernahme mit Bindungsklausel (2–3 Jahre nach Abschluss)
- Teilübernahme (50–80%) ohne Bindung
- Freistellung für Prüfungen (bezahlter Sonderurlaub)
Bildungskredit & KfW-Studienkredit
Der KfW-Studienkredit bietet bis zu 650 €/Monat zu günstigen Konditionen. Der Bildungskredit des Bundes (bis 7.200 € in 24 Monatsraten) ist eine weitere Option für die Endphase des Studiums.
5. Fernstudium steuerlich absetzen: So sparst du Tausende
Das Finanzamt ist dein bester Freund im Fernstudium. Je nach Situation kannst du mehrere Tausend Euro Steuern sparen:
Zweitstudium = Werbungskosten
Wenn du bereits eine Berufsausbildung oder ein Erststudium abgeschlossen hast, gilt dein Fernstudium als Zweitausbildung. Alle Kosten sind dann als Werbungskosten in voller Höhe absetzbar:
- Studiengebühren (komplett)
- Fachliteratur und Arbeitsmittel
- Fahrtkosten zu Prüfungen
- Arbeitszimmer oder Arbeitszimmer-Pauschale (1.260 €/Jahr)
- Internet und Computer (anteilig)
Rechenbeispiel: Bei Studiengebühren von 300 €/Monat (3.600 €/Jahr) plus 1.260 € Arbeitszimmer-Pauschale plus 500 € Arbeitsmittel ergibt sich ein Werbungskosten-Abzug von 5.360 €/Jahr. Bei einem Steuersatz von 35% sparst du ca. 1.876 € Steuern pro Jahr.
Erststudium = Sonderausgaben
Beim Erststudium (ohne vorherige Ausbildung) kannst du die Kosten als Sonderausgaben bis zu 6.000 € pro Jahr absetzen. Der Nachteil: Ein Verlustvortrag in spätere Jahre ist nicht möglich.
6. Spartipps: So reduzierst du deine Fernstudium-Kosten
- Zeitmodell verkürzen: Wer schneller studiert, zahlt weniger Monatsraten. 36 statt 48 Monate spart bei 300 €/Monat satte 3.600 €.
- Vorleistungen anerkennen lassen: Berufserfahrung oder vorherige Ausbildungen können als ECTS angerechnet werden – das verkürzt die Studienzeit und spart Gebühren.
- Rabattaktionen nutzen: Private Fernhochschulen bieten fast immer saisonale Rabatte (10–25%). Newsletter abonnieren und warten.
- Studentenrabatte ausnutzen: Als Fernstudierender erhältst du eine gültige Immatrikulationsbescheinigung – nutze sie für Software, öffentliche Verkehrsmittel, Kultur und mehr.
- Gebrauchte Bücher: Plattformen wie Studydrive, eBay Kleinanzeigen oder Uni-Bücherbasare bieten Fachliteratur zum Bruchteil des Neupreises.
Fazit: Ein Fernstudium ist günstiger als du denkst
Wenn du alle Finanzierungsoptionen ausschöpfst, ist ein Fernstudium erstaunlich erschwinglich. An der FernUni Hagen studierst du für unter 2.500 €. Und selbst bei privaten Anbietern relativieren sich die Kosten von 10.000–15.000 € erheblich, wenn du Steuervorteile (bis zu 5.000 €/Jahr zurück), Arbeitgeber-Zuschüsse und Stipendien einrechnest.
Vergiss nicht: Ein Fernstudium ist eine Investition in deine Zukunft. Akademiker verdienen im Schnitt 40% mehr als Nicht-Akademiker – die Studiengebühren hast du in der Regel innerhalb weniger Jahre wieder raus.
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